Die kognitive Leistungsfähigkeit zu steigern ist sicher ein lohnendes Ziel, doch welche Mittel ist man dafür bereit einzusetzen?
Hausmittelchen wie Kaffee oder Cola werden die meisten als legitimen Wachmacher akzeptieren. Im Gegenteil, das ernsthafte Infrage stellen solcher Mittel würde vermutlichen bei weiten Teilen der Bevölkerung Irritationen hervorrufen. Wie sieht es aber mit Stimulanzien aus, die im Bereich verschreibungspflichtiger Arzneimittel angesiedelt sind? Nein, natürlich sollte man davon die Finger lassen, wird die Mehrheit sagen. Ein reines Lippenbekenntnis!
Immer mehr Menschen greifen beim Versuch dem ständig steigenden Leistungsdruck standzuhalten auf chemische Wirkstoffe zurück. Wie die Zahlen in Deutschland aussehen weiß ich nicht, in Amerika hingegen scheint jeder vierte Student und jeder fünfte Professor auf chemische Stimulanzien zur geistigen Leistungssteigerung zurückzugreifen. Ampakin, Donezepil, Nootropil, Ritalin oder wie sie alle heißen, die Wunderwaffen im harten beruflichen Wettbewerb. Gerade Ritalin ist im Kampf gegen Konzentrationsschwächen und Müdigkeit an amerikanischen Universitäten besonders angesagt. Ritalin wirkt wie Kokain in geringerer Dosis, als Dopamin-Wiederaufnahme-Hemmer. Der dadurch geringere Dopaminspiegel reduziert die eigenen Impulse (bei ADS erwünscht), es ermöglicht die vollständige und nüchterne Konzentration auf eine Sache. Die Folge ist ein Gefühl von Leistungsfähigkeit, Erfolg und das wohl wichtigste Gefühl der Funktionsfähigkeit in dieser Gesellschaft – scheinbar.
Scheinbar deswegen, weil die Gesellschaft nicht nur geistige Fleißarbeit fordert. Was in Klausuren zu besseren Noten führt verursacht auf einer anderen Ebene große Defizite. Emotionalität, Affektivität und Kreativität, Eigenschaften, die unser Zusammenleben wesentlich stärker bestimmen als Konzentration und Wachheit, gehen unter dem Einfluss von Ritalin verloren. Zu früh und über längeren Zeitraum eingenommen verhindert sogar das Erlernen des Umgangs mit den eigenen Affekten. Und was bringt es mir also, wenn ich mühelos ein Kochbuch auswendig lernen kann, mich aber in der Mensa für kein Menü begeistern und entscheiden kann?
Gehirndoping mag verlockend sein, doch sollte man sich zuvor genau über seine Prioritäten im Leben klar werden. Wer sich selbst so stark funktionalisiert brauch sich am Ende nicht wundern, wenn er nur noch zur Pflichterfüllung taugt!
Montag, 19. April 2010
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